Mein Stereo Photo Maker Workflow



Stereobilder, insbesondere einzelne links/rechts Bilder eines selbstbau Stereogespanns, erfordern immer eine individuelle Justage damit das Betrachten später keine Kopfschmerzen verursacht.
Selbst die Einzelbilder einer Stereokamera wie der Fuji W3 sind nicht zwangsläufig perfekt ausgerichtet. Die wohl meistgenutzte Software dazu ist der Stereo Photo Maker.
Zu Anfang habe ich linke und rechte Bilder einzelnd geladen, diese dann per Autojustage ausrichten lassen und anschliessend das Scheinfenster (horizontale Verschiebung der Bilder zueinander) angepasst, sodass kein Objekt der Szene über die Ränder des Bildes aus diesem herausragt (Scheinfensterverletzung).
Bei einer großen Ansammlung von z.B. Urlaubsbildern nimmt die Autojustage vor jedem Bild eine menge Zeit in Anspruch, wesswegen ich die Fotos erst per Stapelverarbeitung "vorverarbeite" und anschliessend die Bilder viel schneller individuel optimieren kann.

Im folgenden möchte ich meinen Workflow beschreiben.
Über Tipps und Anregungen wie ich es an manchen Stellen besser machen könnte freue ich mich natürlich sehr.

Die folgenden Screenshots beziehen sich auf den SPM 64Bit Ver5.06 in deutsch

Da ich ein Stereogespann, also zwei synchronisierte Kameras nutze, erhalte ich jeweils einen Haufen linke und rechte Bilder.
Diese kopiere ich zunächst von den Speicherkarten in seperate Ordner auf den Rechner (hier: stereo_L und stereo_R).
Hin und wieder kommt es vor, dass eine der Kameras nicht ausgelöst hat und ein Stereopaar unvollständig ist. Solche Bilder müssen zuerst aussortiert werden. Da sich der Ausschuss bei mir gut in Grenzen hällt mache ich diesen Schritt per Hand.
Dazu öffne ich beide Ordner mit den Teilbildern jeweils in eigenen Fenstern der gleichen Größe und mit der gleichen Vorschaugröße. Mit beiden Fenstern nebeneinander prüfe ich nun, ob das jeweils letzte Bild einer Zeile mit dem in dem anderen Ordner übereinstimmt. Falls nicht lösche ich das Bild, was in einem der beiden Ordner zuviel ist.

Die Fotos von den Kameras werden fortlaufend durchnummeriert (IMG_XXXX.JPG), Dateinamen von linken und rechten Bildern stimmen aber normalerweise nach ein paar Stereofotos zwangsläufig nicht mehr überein, müssen sie ja auch nicht. Allerdings habe ich den "Bug" bei der Stapeverarbeitung, dass die Bildreihenfolge bezogen auf die einzelnen Ordner nicht eingehalten wird, wenn es im rechten Bildordner ein Bild mit gleichen Dateinamen wie im linken gibt.
Als Workaround bennene ich alle Dateien des rechten Bildordners per Batch/Shell um (hier Befehlsbeispiel für Windows die Windows CMD):

G:
cd "USA 2014-15"
cd stereo_R
ren IMG_*.JPG _*.JPG

Hierbei wird bei allen Dateien des Ordners die mit "IMG_" beginnen und ".JPG" enden das erste Zeichen (I) durch einen _ ersetzt.


Nun geht es an die Stapelverarbeitung, hierzu im SPM unter Datei das Fenster für die Stapelverarbeitung öffnen (oder Strg+K).


In der oberen Bilderauswahl navigiere ich in den Ordner mit den linken Teilbildern (stereo_L).
Da meine Teilbilder in seperaten Ordnern vorliegen wähle ich unter "Stereo Quelldatei" "Unabhängig (L/R)" aus und setzte den Haken bei "Verzeichnis Rechts", wo ich zudem den Pfad zu dem Ordner mit den rechten Teilbildern angebe (stereo_R) (Navigation über den Button "...").
Bei meinem Canon A495 Gespann ist die linke Kamera aufgrund der Z-Montage um 180° gedreht, also rechts bei "L" "Gedreht (180°)" auswählen.
Die Zieldatei soll eine einzelnde Bilddatei mit beiden Teilbildern nebeneinander (Side-by-Side kurz SBS) enthalten, also "Nebeneinander" unter "Dateityp Zieldatei" anwählen. Um bei der vorverarbeitung keine Bildqualität zu verlieren speichere ich die Bilder verlustfrei als PNG ab (andere Formate wie BMP oder TIF sollten ebenfalls OK sein).
Da wir die Bilder Ausrichten wollen muss noch die "Automatische Justage" selektiert werden. Zu den Einstellungen zur Autojustage komme ich sofort.
Da beim Justieren die Bilder nicht nur verschoben, sondern auch minimal gedreht und verzerrt werden treten an den Rändern oft schwarze Streifen auf. Wer nicht jedes Bild nachher aufgrund dieser Schwarzen Ränder zuschneiden möchte, selektiert einfach "Automatischer Zuschnitt nach Justage".
Als vorletztes sollte nicht vergessen werden, das Zielverzeichnis anzugeben. Ganz unten also einen leeren Ordner angeben, in den die Bilder temporär gespeichert werden sollen (hier stereo_vorverarbeitet).


Nun zu den "Einstellungen Autojustage":
Dazu auf den gleichnamigen Button geklickt, öffnet sich ein kleines Fenster.
Hierbei sollte die "präzise Berechnung", sowie die parallele Ausrichtung ausgewählt werden. Ebenfalls wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch "keine Scheinfensterjustage" (im dropdown Menü auswählen).
Nun kann die Stapelverarbeitung beginnen, nachdem das Fenster "Einstellungen Autojustage" mit "OK" geschlossen wurde genüngt ein klick auf den Button "Alle Dateien konvertieren" bzw. "Auswahl konvertieren" unten rechts, und der Spass kann beginnen. Um den Prozessor etwas besser auszulasten hilft es "Zwei Instanzen (zu) starten", sodass wenn z.B. der eine Prozess ein Bildpaar gerade liest/schreibt, der andere den Prozessor zum Autojustieren nutzen kann.
Das Ausrichten und speichern von 100 Bildern kann ab hier schonmal über eine Stunde dauern. Dafür geht es aber später schneller, die Bilder alle einzelnd zu Bearbeiten.


Jetzt holen wir uns einen Kaffee und nutzen die Zeit zum Aufräumen, Blumen gießen oder anderen sinnvollen Tätigkeiten ...



Wenn die Stapelverarbeitung abgeschlossen ist, können die entsprechenden Fenster geschlossen werden.

Im StereoPhoto Maker laden wir nun das erste Bild über Datei->Stereobild öffnen aus dem Ordner mit den vorbereiteten SBS Bildern. Dabei unter "Stereo Format" "Nebeneinander" (oder das beim Speichern verwendeten Format) auswählen.
Um Stereobilder auszurichten arbeite ich gerne mit Rot/Cyan Anaglyphen, da hier die linken und rechten Halbbilder bei überlagerung gut zu unterscheiden sind. Das gewünschte Anaglyphenformat kann unter Stereo->Farbanaglyphen->... geändert werden. Mit F7 und F9 kann im folgenden schnell zwischen Anaglyph und SBS gewechselt werden, Anaglyphen zum Ausrichten und Probebetrachten, SBS zum finalen Speichern (oder beliebiges präferiertes Stereoformat).


Also F7 drücken und kurz das Anaglyphenbild ohne Brille auf höhenfehler überprüfen (Objekte dürfen nur in der horizontalen verschoben sein). SPM hierbei am Besten vergrößern oder in den Vollbildmodus wechseln (Alt+Enter). Enthält das Bild solche Fehler oder ist anderweitig bei der Autojustage vermurkst worden kann man es entweder mit erneuter Autojustage Justage->"Automatische Bildjustage" (oder Alt+A) versuchen, oder aber man muss die Originalen links/rechts Bilder laden und manuell Ausrichten sofern einem das Foto wichtig ist.
Scheint das Stereobild auf den ersten Blick OK setzt man die Brille auf und hällt solange die rechte Pfeiltaste gedrückt, bis sich alle Objekt hinter dem Scheinfenster/der Bildebene befinden (oben/unten, sowie links/rechts). (Mit Pfeiltaste rechts verschiebt man das Bild nach hinten, mit der linken nach vorne/aus dem Bildschirm heraus).
Hinweis: Überlappt sich ein Objekt (ohne Brille betrachtet) in beiden Halbbildern, liegt es genau auf dem Scheinfenster.
Hier experimentiert man nun solange mit der Positionierung des Scheinfensters herum, bis kein Objekt an den Bildrändern vor dem Bildschirm liegt (also keine Scheinfensterverletzung vorliegt). Auch sollte die horizontale Disparität des am weitesten entfernten Objektes nicht zu groß sein. "Zu groß" ist hierbei relativ, da der Abstand vom später verwendeten Betrachtungsmedium abhängt. Grob gesagt sollte die horizontale Disparität nicht den Augenabstand von ca. 6,5cm überschreiten, da sonst Kopfschmerzen die Folge sein können.
Manchmal ist es aber im Nachhinein nicht möglich das Scheinfenster so zu wählen, dass beide Kriterien eingehalten werden. Hier muss dann entweder das Bild mit dem "Freien Zuschnitt" so zurechtgeschnitten werden, dass störende Objekte am Rand abgeschnitten werden. Geht das nicht sollte man abwägen, ob der Inhalt des Bildes wichtig genug ist die Bildfehler hinzunehmen oder man verwirft das Foto einfach.

Helligkeitsanpassungen mache ich bei meinen Stereobildern normalerweise nicht, das Gehirn kann minimale Helligkeitsunterschiede eigendlich recht schmerzfrei ausgleichen. Sollte dennoch eine der Kameras stark über/unterbelichtet haben, kann man manuell etwas nachbessern Justage->"Manuell Gamma/Farb-Justage" (oder Taste G). Mit der "Automatischen Farbjustage" von SPM hab ich noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse erreicht.


Ist das Bild nun fertig Eingestellt wechselt man in die SBS Darstellung (F9) (oder in das Format, in dem das Stereobild gespeichert werden soll) und speichert es mit Strg+S in einem anderen Ordner ab. Wichtig: nicht das Anaglyphenbild speichern, selbst wenn die Stereobilder später so Betrachtet werden.
Der Dateityp kann hier frei gewählt werden, ich persönlich verwende bei SBS Sterobildern das JPEG Format mit einer Bildqualität von mindestens 90.
Bild speichern und das nächste Bildpaar mit Strg+Leertaste (Ansicht->Nächstes Bildpaar) laden.
Die oben beschriebenen Schritte nun bis zum letzten Bild wiederholen.


Das wars auch schon. Wie gesagt ist dies nur ein Vorschlag zur Vorgehensweise, die ich mir über die Jahre angeeignet habe. Verbessungsvorschläge nehme ich gerne entgegen: interfisch@gmx.net
Um die Stereobilder in der eigenen Wiedergabemethode anzuzeigen kann z.B. der StereoPhoto Player oder der Stereoscopic Player verwendet werden.