Box Kamera




Bei der Suche nach Videos bezüglich Analogkameras und Entwicklung stieß ich eines Tages auf die Afghan Box Camera "kamra-e-faoree". Dabei handelt es sich um eine Holzbox mit Objektiv und einer im Inneren verschiebbaren Mattscheibe, auf die, nach dem Fokusieren durch ein Fenster am hinteren Ende, ein Fotopapier gelegt wird. Durch Entfernen des Objektivdeckels kann so für ein paar Sekunden das Papier belichtet werden. Anschließ wird das Bild direkt in der Box selbst entwickelt. Hierbei entsteht ein Negativ, welches anschließend vor dem Objektiv platziert und "abfotografiert" wird.
Da das Prinzip sehr einfach ist war die Idee, so eine Box Kamera, wenn auch ohne den Teil mit der Entwicklung, selber zu bauen.
zeus hat hierzu bereits auch etwas geschrieben: blog.tastatursport.de

Die box besteht aus 8mm dicken Spanplatten. Vorne links kommt ein Loch rein, durch welches die Kamera im Inneren bedient werden soll.
Hinten wird eine Tür eingebaut, durch welche die Mattscheibe betrachtet werden kann. Diese Tür muss zudem Lichtdicht verschließbar sein.


Vorne können Holzplatten mit Objektiven eingesetzt werden.


Um Reflexionen zu minimieren wird ein Großteil der Box innen schwarz Lackiert.
Damit beim Hineingreifen kein Licht einfällt haben wir dort schwarzen Stoff angebracht.


Die Mattscheibe besteht aus einfachem Acrylglas. Mit Schleifpapier und etwas Wasser konnte eine leicht milchige Oberfläche erzielt werden.
Die Mattscheibe ist oben an einem Holzblock befestigt, welcher an zwei Schienen aus Alurohr vor und zurück geschoben werden kann. Dazu ist eine Gewindestange nach hinten herausgeführt. Je weiter die Mattscheibe vom Objektiv verschoben wird, desto näher liegt der Fokuspunkt.
Das hier verwendete Objektiv ist aus einem Tageslichtprojektor und fokusiert unendlich weit entfernte Objekte bei einer Entfernung von etwa 150mm zur Mattscheibe scharf. Der Bildausschnitt entspricht in etwa dem eines 50mm Objektivs im Vollformat.


Das Fotopapier darf nur für die Zeit der Belichtung dem Licht ausgesetzt werden. Den Rest der Zeit liegt es unbelichtet in einer Fotopapierbox, welche am Boden der Kamera befestigt ist. Dadurch ist es möglich die Box mit einer Hand zu öffnen. Die Fotopapierbox ist in eine art Schiene eingesetzt und kann zum Auffüllen nach hinten herausgezogen werden.
Nach dem Belichten des Papieres wird es in einen zweiten Behälter an der Wand gelegt. Dieser ist nur mit Klett befestigt und kann zum Entwickeln in der Dunkelkammer ebenfalls herausgenommen werden.


Da wir Schwarzweiss Fotopapier belichten wird viel Licht benötigt. Verglichen mit Film ist hier von maximal ISO 6 die Rede, meist ein bis zwei Stops weniger. Die Offenblende des Objektiv beträgt hier (Fokus auf unendlich) etwa f/7. Belichtungszeiten liegen bei normalem Raumlicht im Bereich von mehreren Minuten.
Somit fuhren wir an einem Sonntag zu einem leeren Bauhaus Parkplatz. Praktischerweise gibt es dort Einkaufswagen zum Transportieren des unhandlichen Fotogeräts.

Nachdem ein Motiv und die passende Entfernung für den gewünschten Bildausschnitt gefunden wurde wird die Kamera stabil platziert. Das Bild erscheint auf der Mattscheibe, wie bei Großformatkameras üblich auf dem Kopf. Durch schieben und ziehen der Gewindestange wird die Mattscheibe verschoben und das Bild somit Fokusiert. Stimmen Fokus und Bildausschnitt wird die Tür hinten geschlossen und der Objektivdeckel angebracht.
Nun muss Blind mit einer Hand das unbelichtete Fotopapier aus der unteren Box entnommen und auf der Mattscheibe angebracht werden. Dort wird es mit Magneten festgeklemmt. Um die hinzugekommene Dicke des Papieres zu kompensieren kann die Mattscheibe um ca 0.5mm herausgezogen werden. Mit einer Kamera als Belichtungsmesser kann dann die Belichtung gemessen werden. Mit dem Objektiv auf f/8 bei kleinstem einstellbaren ISO (meist ISO 12) wird nun eine Belichtungszeit ermittelt, beispielsweise 1/8s. Das vorher ausgetestete ISO des Papiers lag hier bei ISO 6. Die Belichtungszeit beträgt demnach 1/4s. Der Schwarzschildeffekt tritt bei Fotopapier erst ab mehreren Minuten auf, somit muss hier bei Belichtungszeiten >1s nicht sofot kompensiert werden.
Deckel ab, Deckel drauf. Bild im Kasten. Mit der linken Hand wieder in der Kamera muss das belichtete Papier von der Mattscheibe abgenommen und in den zweiten Behälter eingelegt werden.


Eine Handvoll Fotos später fuhren wir dann zurück zum Chaostreff und entwickelten die Bilder in der Dunkelkammer.
Die getrockneten Negative wurden dann gescannt und Digital invertiert.


Verschlussmechanismus


Wie wir bei den Fotos am Parkplatz feststellten, liegen Belichtungszeiten bei strahlender Sonne teilweise bei bis zu 1/8s. Um bei Belichtungszeiten kleiner 1s dennoch konsistene Ergebnisse erziehlen zu können bekam die Boxkamera einen Verschluss.
Der Verschluss besteht aus zwei Holzplatten, die wie eine Guillotine zeitversetzt fallen. Beide Platten sind in einer vertikalen Führung aus U-Profil eingesetzt und werden durch Gummibänder und Seil nach unten gezogen.


Zum Spannen des Verschlusses werden die Platten nach oben gezogen und durch zwei Löcher mit Splinten gehalten. Die Metallstifte werden zum Auslösen von Aussen nacheinander Herausgezogen, sodass zuerst die Platte mit dem Fenster im oberen Teil fällt und das Objektiv freigibt, anschließend fällt durch Herausziehen des zweiten Stiftes die Platte mit dem Fenster im unteren Teil, wodurch das Objektiv wieder blockiert wird.


Für konsistentes Timing habe ich einen Auslöser gebaut, der ein Faden mit konstanter Geschwindigkeit aufwickelt. Der Abstand, mit dem der Faden an beiden Splinten verknotet wird bestimmt somit die Belichtungszeit.
Die Welle, welche den Faden aufwickelt wird durch eine zuvor aufgezogene Feder aus einem Maßband angetrieben. Die selbe Welle treibt eine Schwungmasse über zwei Zahnräder an. Durch die verschiedenen Formen von Reibung soll somit nach kurzer Zeit eine Naximalgeschwindigkeit erreicht werden. Kurz nach Erreichen dieser soll der Faden aufgewickelt sein und die Splinte nacheinander herausziehen.
Mit zwei IR-LEDs und einem Oszilloskop konnten wir die tatsächlichen Belichtungszeiten messen. Bei etwa 5cm Fadenlänge zwischen den Splinten erreichten wir 1/8s bis 1/10s. Die Längste Belichtungszeit liegt irgendwo zwischen 1s und 1/2s.
Selbstverständlich lässt sich solch ein Auslöser viel einfacher mit Motoren und oder einem Arduino bauen. Allerdings kann man mit auch gleich eine Digitalkamera kaufen; es geht um den Spass am Bau.


Nicht überall stehen Einkaufswagen rum (sofern man die Dortmunder Nordstadt verlässt), daher musste ein Stativ her. Mein Reisestativ ist dieser Kamera jedoch nicht gewachsen, wesshalb ein stabileres verwendet wurde. Dieses diente zuvor als Halterung einer Blitzerkamera.


Am 10. und 11.3.2018 präsentierten wir uns als Chaostreff-Dortmund auf der Maker Faire Ruhr in der DASA in Dortmund.
Dort haben wir die Box Kamera mit eingepackt und am zweiten Tag auch Fotos gemacht. Wie zuvor erwähnt sind Indoor Belichtungszeiten von mehreren Minuten nötig. Das Papier (altes Ilford Ilfospeed 3.24M) haben wir zuvor auf ISO 1.5 geschätzt, was die Sache auch nicht einfacher macht.
Mit vier Yongnuo 560 Blitzen auf voller Leistung (Zoom 50mm - 80mm) und eingebautem Diffusor reichte das Licht gerade aus und die Bilder verwackeln auch nicht.
Damit wir direkt Bilder erstellen können mussten die Fotos vor Ort entwickelt werden. Dazu haben wir einen Durst RCP 20 Fotoprozessor mitgenommen. Hauptsächlich für die Entwickung von RA4 Farbpapier gedacht kann hier auch Schwarzweiss Chemie in die drei Wannen gefüllt werden. Das Papier muss dabei lediglich beim Einlegen in das Gerät vor Licht geschützt werden. Eine große Molton Decke war hier ausreichend. Nach etwa 7 Minuten kommt das entwickelte Papier langsam heraus und muss nurnoch gewässert werden. Um den Prozess zu verkürzen haben wir das Papier anschließend vor einen kleinen Heizlüfter gelegt.

Negative sehen schon etwas gewöhnungsbedürftig aus. Die Positive haben wir hier in einer Dunkelkammer unter dem Tisch per Kontaktabzug hergestellt. Nachdem das Molton den gesamten Tisch bedeckt konnte ich dadrunter kriechen und eine Taschenlampe mit rotfilter einschalten. Das Negativ wird dann auf ein unbelichtetes Papier mit den Emulsionsseiten zueinander gelegt und in einen Kontaktabzugsrahmen eingesetzt, damit die Papiere plan aufeinander liegen.
Im Abstand von 50cm wurde dann mit einem Yongnuo 560 Blitz mit aufgesetztem Diffusor, 1/16 Leistung und 50mm Zoom das Bild durchbelichtet. Dann wieder in eine Lichtdichte Box und ein weiteres mal in den Fotoprozessor.
Der Kontrast lässt dabei etwas nach, wesshalb die Verwendung eine höheren Gradation für die Abzuüge sinnvoll wäre. Dennoch kommen dort nach etwa 30 Minuten Verarbeitungszeit brauchbare Fotos heraus, die wir den Gästen mitgeben konnten.