Projektbeginn: August 2017

Letzte Änderung: März 2019

Kleinbildfilm im Mittelformat


Ein Bild auf einem 35mm Kleinbildfilm ist üblicherweise 24mm x 36mm groß, das eines Mittelformatfilms 6x6cm, 6x7cm oder 6x4.5cm . Würde man einen Kleinbildfilm in eine Mittelformatkamera einspannen ergäbe sich, bei horizontal laufendem Film, ein Bild von z.B. 24mm x 60mm.
Um den Film aus dem kleinen Kanister in eine MF Kamera einzulegen gibt es zwei Methoden. Die Erste benötigt einen 3D gedruckten Adapter, der auf beiden Enden eines Kleinbildkanisters aufgesteckt wird und somit das Einsetzen und Drehen in einer Mittelformatkamera erlaubt. Der Anfang des Films wird dabei an den Anfang eines leeren Filmkanisters angeklebt, der ebenfalls mit einem Adapter in der Kamera liegt und den Film nach dem Belichten aufwickelt. Ein Filmkanister passt jedoch nicht in jede Kamera. Bei meiner Kiev-60 stehen die Andruckrollen zu weit hervor, wesswegen der Metallkanister physikalisch nicht hinein passt. Ein weiterer großer Nachteil war für mich auch die Tatsache, dass Kleinbildfilm in einem engeren Durchmesser aufgewickelt ist. Dadurch stimmt der Filmvorschub nicht und Bilder überlagern sich.
Zu empfehlen ist dieses Vorgehen allerdings bei Kameras wie z.B. einer Agfa Golf. Dort passt ein Filmkanister gut hinein und der Filmvorschub passiert manuell durch drehen an einem Rädchen. Durch vorheriges Austesten lässt sich der Bildabstand austesten.

Eine bessere, jedoch mit etwas mehr Aufwand verbundene Methode ist das Umspulen von 35mm Film in das Papier einer leeren 120er Mittelformatrolle.
Normalerweise ist der Film beim Mittelformat nur am Anfang am Papier festgeklebt. Da ich etwas Angst hatte, dass sich der schmalere Kleinbildfilm im Vorhang meiner Kamera verklemmt habe ich ihn an beiden Enden am Papier angeklebt.
Dazu braucht es zunächst eine leere Rolle eines Mittelformatfilm. Diese musst zuerst vollständig, mit der schwarzen Innenseite nach oben flach ausgerollt werden. Am Anfang (kurz vor der Markierung vom 1. Bild) sollte sich noch der rest vom Klebestreifen befinden (siehe Foto). Von dort aus werden nun 83cm in Richtung 12. Bild (bezüglich der 6x6cm Markierungen) gemessen und dort markiert.


Das Papier kann nun wieder von Hinten bis zu der gemachten Markierung auf die Spule aufgerollt werden. Nun Wird der umzuspulende Kleinbildfilm an der Markierung mittig und möglichst gerade mit Kreppklebeband festgeklebt, die Emulsionsseite liegt dabei wie im Bild zu sehen nach oben.
Danach muss in einem vollständig lichtdichten Raum oder einem Wechselsack das Papier mit dem Film dazwischen weiter aufgerollt werden. Die größte Schwierigkeit ist dabei, den Film über die 83cm länge mittig zu halten. Sobald der Klebestreifen am Anfang des Papiers in Sicht, äh, zu erfühlen ist wird der 35mm Film an dieser Stelle abgeschnitten und mit einem weiteren Stück Krepp mittig am Papier angeklebt. Danach den Rest Papier fest aufwickeln und vorerst mit einem Gummiband fixieren. Falls nötig kann das Gummiband bei Raumlicht durch einen Klebestreifen ersetzt werden.
Ein 24er Kleinbildfilm reicht hierfür locker aus. Es bleiben bei sparsamen Einlegen des Restfilms sogar noch 4-5 Frames übrig.
Kurze Checkliste was mit in die Dunkelkammer/Wechselsack muss:


Um beim Fotografieren grob einschätzen zu können, was noch im Bild ist, hab ich mir eine Transparenzfoile als Suchereinsatz zurecht geschnitten und die Filmmaße darauf übertragen. Zwischen den gestrichelten und durchgezogenen Linien oben und unten befinden sich die Löcher (Sprockets), über welche natürlich einfach drüber fotografiert wird.


Nachdem der Film entwickelt ist können wie gewohnt Abzüge gemacht oder der Film in einem Mittelformat tauglichen Scanner gescannt werden. Wie in meinem Scan Workflow zu sehen benutze ich für 35mm Film einen Kleinbildscanner. Dabei muss jedes Bild zwei mal gescannt werden, die linke und die rechte Hälfte, da ein Foto 1.5x breiter ist als normal. Beim Postprocessing muss daher darauf geachtet werden, beide Bildteile exakt gleich zu bearbeiten (keine Autokorrekturen etc.) bis die Bildteile zu einem zusammengefügt wurden. Das Aneinanderfügen hab ich mit Gimp gemacht. Kompliziertes Panoramastitching ist nicht nötig, da die Bilder nur in der Position verschoben sind. Grobes übereinanderlegen und den Übergang mit einer Alphamaske ausgleichen ist ausreichend und fällt nachher nicht auf.

Folgende Bilder wurden auf Kodak Farbwelt 100 Farbnegativfilm gemacht. Der Film wurde mir überlassen und war bis dahin bei Raumtemperatur gelagert, zudem MHD 09/2004. Eine gleich gelagerte Rolle des gleichen Films zeigte mir zuvor, dass ich mindestens +1 Stop überbelichten sollte. Den Prismensucher der Kiev-60 mit einem Volna-3 2.8/80 hab ich daher auf ISO 50 gestellt.

Etwas komisch ist es schon, mit einer 6x6 Mittelformatkamera im Hochformat zu Fotografieren.




Nachtrag: Bei einem der letzten Filme, die ich auf diese Weise belichtet hab, hat sich der Film in der Kamera vom Papier weggedrückt. Dadurch waren die Bilder nachher unscharf, vorallem in der Mitte. Die Rolle mit dem umgewickelten Film lag ein paar Monate unbenutzt rum, eventuel hat sich der Film oder das Papier in der Zeit verzogen.

Kiev 60 Kleinbildeinsatz


Die Methode das Filmmaterial in das Schutzpapier einzuwickeln hat den vorteil, dass der Film nachher eingewickelt ist und, wenn auch bei wenig Licht, entnommen werden kann. Jedoch liess mich die Tatsache nicht los, dass der Film nicht unbedingt Plan aufliegt. Auch ist das umwickeln des Kleinbildfilms im Wechselsack Zeitaufwändig und nicht ganz so einfach. Zudem ist ab dem Zeitpunkt schon die Entscheidung gefallen, dieses Film in einer Mittelformatkamera zu benutzen.
Bei Thingiverse lassen sich Adapter finden, die einen Kleinbildkanister in die Rollfilmaufnahme einsetzen lassen, jedoch sind zumindest bei meiner Kiev 60 die Andruckrollen im Weg. Ein Kleinbildkanister passt allerdings in die Kamera, wenn er nicht auf der Drehachse liegen muss.


Damit das zuverlässig funktioniert sind ein paar Punkte zu beachten.
Über die Öffnung wird ein 3D gedruckter Einsatz gelegt, welcher den Film oben und unten führt. Ein Stück Schutzpapier wird darunter geklemmt und später um den Filmkanister über den Film gelegt, damit der Filmträger nicht an der Rückwand aus Metall schleift.
Rechts kommt etwas Plastik in die Filmaufnehmende Seite, da sonst die Andruckrollen den Film zerkratzen.


Etwas Vorbereitung ist am Kleinbildfilm selbst noch immer nötig. Der Film muss jedoch nur ein paar Centimeter herausgezogen werden. Es ist also möglich das beim Entschluss den Film zu nutzen nachzuholen. Ein zuvor präpariertes Stück Filmmaterial (ca 40cm) wird dazu an den gerade abgeschnittenen Filmanfang geklebt (z.B. mit Tesafilm). Das andere Ende besitzt einen Z-Förmigen Knick, sodass es beim Einfädeln in die Aufnahmespule besser hällt.


Mit zwei Abstandshaltern aus Holz, welche Aussparungen für die herausstehenden Teile der Kamera und des Kanisters besitzen, wird der Kanister eingelegt. Der Film sollte dadurch nun mittig ausgerichtet sein. Auf der rechten Seite wird die Spule wie üblich eingelegt und ein bis zwei Mal aufgezogen.


11 cm bevor der zu belichtenden Film anfängt ist eine Markierung aufgemalt. Diese erfüllt den gleichen Zweck wie die Markierung auf dem Papier bei 120er Filmen. Der Film wird soweit aufgespult, bis diese auf Höhe des (hier) roten Punktes liegt. Das Papier wird danach über den Film gelegt und die Klappe vorsichtig geschlossen. Jetzt kann bis zum 1. Bild ausgelöst werden. Die weitere Bedienung bleibt wie gewohnt.
Da der Film lose und ungeschützt vor Licht im inneren der Kamera aufgewickelt wird darf die Kamera nur in völliger Dunkelheit geöffnet werden. Soll der Film unterwegs herausgenommen werden empfiehlt es sich einen Wechselsack mitzunehmen. Darin kann der Film zurück in den Kanister gespult werden.


In Mittelformatkameras ohne Sichtfenster für die Bildnummern auf der Rückseite hängt der Bildabstand von dem Vorschub ab. Dieser bleibt konstant, da das Zählwerk die Drehung der Spule beim Vorschub beeinfluss. Durch das Filmmaterial und das Papier erhöht sich der effektive Durchmesser, sodass für den gleichen Vorschub immer weniger Umdrehungen benötigt werden.
Bei der aktuellen Verwendung fehlt jedoch das Papier, wodurch der Filmabstand zu Anfang passen könnte, jedoch später zu gering wird und Bilder mehr und mehr überlappen.

Um nicht gutes Filmmaterial zu verschwenden hab ich einen alten unbenutzbaren Film in einen leeren Kanister eingespult und wie beschrieben in die Kamera eingelegt.
Das theoretisch 1. Bild (nach Zählwerk) wurde als Langzeitbelichtung "B" bei gedrücktem Auslöser gemacht. Dadurch klappt der Spiegel hoch und der Vorhang öffnet sich. Mit einem Stift konnte ich nun vorsichtig das linke und rechte Ende des Bildes markieren. Links ein kurzer Strich oben, recht einer unten. Dabei keinesfalls den Auslöser loslassen, da sonst der Vorhang und der Spiegel den Stift einklemmen und irgendwas bestimmt kaputt geht.
Nachdem ich so 15 Aufnahmen mit Markierungen versehen hatte konnte ich mir das Resultat auf dem ausgebreitetem Film ansehen. Es war zu erkennen, dass die Bildabstände von Anfangs 5mm bis 0mm beim 13. Bild abnahmen. Damit ist klar, dass sich gut 13 Bilder ohne Probleme machen lassen. 13 Bilder entsprechen mindestens (6cm*13=) 78cm Film. 90cm sollte der Film also mindestens haben, was in etwa einem 24er Film entspricht.


Hier zwei Abzüge eines so belichteten HP5+.
Mit einem Weitwinkel Objektiv entstehen so X-Pan ähnliche Panoramabilder.