Kleinbildfilm im Mittelformat


Ein Bild auf einem 35mm Kleinbildfilm ist üblicherweise 24mm x 36mm groß, das eines Mittelformatfilms 6x6cm, 6x7cm oder 6x4.5cm . Würde man einen Kleinbildfilm in eine Mittelformatkamera einspannen ergäbe sich, bei horizontal laufendem Film, ein Bild von z.B. 24mm x 60mm.
Um den Film aus dem kleinen Kanister in eine MF Kamera einzulegen gibt es zwei Methoden. Die Erste benötigt einen 3D gedruckten Adapter, der auf beiden Enden eines Kleinbildkanisters aufgesteckt wird und somit das Einsetzen und Drehen in einer Mittelformatkamera erlaubt. Der Anfang des Films wird dabei an den Anfang eines leeren Filmkanisters angeklebt, der ebenfalls mit einem Adapter in der Kamera liegt und den Film nach dem Belichten aufwickelt. Ein Filmkanister passt jedoch nicht in jede Kamera. Bei meiner Kiev-60 stehen die Andruckrollen zu weit hervor, wesswegen der Metallkanister physikalisch nicht hinein passt. Ein weiterer großer Nachteil war für mich auch die Tatsache, dass Kleinbildfilm in einem engeren Durchmesser aufgewickelt ist. Dadurch stimmt der Filmvorschub nicht und Bilder überlagern sich.
Zu empfehlen ist dieses Vorgehen allerdings bei Kameras wie z.B. einer Agfa Golf. Dort passt ein Filmkanister gut hinein und der Filmvorschub passiert manuell durch drehen an einem Rädchen. Durch vorheriges Austesten lässt sich der Bildabstand austesten.

Eine bessere, jedoch mit etwas mehr Aufwand verbundene Methode ist das Umspulen von 35mm Film in das Papier einer leeren 120er Mittelformatrolle.
Normalerweise ist der Film beim Mittelformat nur am Anfang am Papier festgeklebt. Da ich etwas Angst hatte, dass sich der schmalere Kleinbildfilm im Vorhang meiner Kamera verklemmt habe ich ihn an beiden Enden am Papier angeklebt.
Dazu braucht es zunächst eine leere Rolle eines Mittelformatfilm. Diese musst zuerst vollständig, mit der schwarzen Innenseite nach oben flach ausgerollt werden. Am Anfang (kurz vor der Markierung vom 1. Bild) sollte sich noch der rest vom Klebestreifen befinden (siehe Foto). Von dort aus werden nun 83cm in Richtung 12. Bild (bezüglich der 6x6cm Markierungen) gemessen und dort markiert.


Das Papier kann nun wieder von Hinten bis zu der gemachten Markierung auf die Spule aufgerollt werden. Nun Wird der umzuspulende Kleinbildfilm an der Markierung mittig und möglichst gerade mit Kreppklebeband festgeklebt, die Emulsionsseite liegt dabei wie im Bild zu sehen nach oben.
Danach muss in einem vollständig lichtdichten Raum oder einem Wechselsack das Papier mit dem Film dazwischen weiter aufgerollt werden. Die größte Schwierigkeit ist dabei, den Film über die 83cm länge mittig zu halten. Sobald der Klebestreifen am Anfang des Papiers in Sicht, äh, zu erfühlen ist wird der 35mm Film an dieser Stelle abgeschnitten und mit einem weiteren Stück Krepp mittig am Papier angeklebt. Danach den Rest Papier fest aufwickeln und vorerst mit einem Gummiband fixieren. Falls nötig kann das Gummiband bei Raumlicht durch einen Klebestreifen ersetzt werden.
Ein 24er Kleinbildfilm reicht hierfür locker aus. Es bleiben bei sparsamen Einlegen des Restfilms sogar noch 4-5 Frames übrig.
Kurze Checkliste was mit in die Dunkelkammer/Wechselsack muss:


Um beim Fotografieren grob einschätzen zu können, was noch im Bild ist, hab ich mir eine Transparenzfoile als Suchereinsatz zurecht geschnitten und die Filmmaße darauf übertragen. Zwischen den gestrichelten und durchgezogenen Linien oben und unten befinden sich die Löcher (Sprockets), über welche natürlich einfach drüber fotografiert wird.


Nachdem der Film entwickelt ist können wie gewohnt Abzüge gemacht oder der Film in einem Mittelformat tauglichen Scanner gescannt werden. Wie in meinem Scan Workflow zu sehen benutze ich für 35mm Film einen Kleinbildscanner. Dabei muss jedes Bild zwei mal gescannt werden, die linke und die rechte Hälfte, da ein Foto 1.5x breiter ist als normal. Beim Postprocessing muss daher darauf geachtet werden, beide Bildteile exakt gleich zu bearbeiten (keine Autokorrekturen etc.) bis die Bildteile zu einem zusammengefügt wurden. Das Aneinanderfügen hab ich mit Gimp gemacht. Kompliziertes Panoramastitching ist nicht nötig, da die Bilder nur in der Position verschoben sind. Grobes übereinanderlegen und den Übergang mit einer Alphamaske ausgleichen ist ausreichend und fällt nachher nicht auf.

Folgende Bilder wurden auf Kodak Farbwelt 100 Farbnegativfilm gemacht. Der Film wurde mir überlassen und war bis dahin bei Raumtemperatur gelagert, zudem MHD 09/2004. Eine gleich gelagerte Rolle des gleichen Films zeigte mir zuvor, dass ich mindestens +1 Stop überbelichten sollte. Den Prismensucher der Kiev-60 mit einem Volna-3 2.8/80 hab ich daher auf ISO 50 gestellt.

Etwas komisch ist es schon, mit einer 6x6 Mittelformatkamera im Hochformat zu Fotografieren.




Nachtrag: Bei einem der letzten Filme, die ich auf diese Weise belichtet hab, hat sich der Film in der Kamera vom Papier weggedrückt. Dadurch waren die Bilder nachher unscharf, vorallem in der Mitte. Die Rolle mit dem umgewickelten Film lag ein paar Monate unbenutzt rum, eventuel hat sich der Film oder das Papier in der Zeit verzogen.