Hydroponik Dutch Bucket
März 2024
Inhaltsverzeichnis
- Hydroponik
- EC Sensor
- NFT Tischsystem
- Dutch Bucket
Die Anzucht aus Samen begann etwa mitte Februar in kleinen Filmdosen. Das Substrat ist hier Kokosfasern. Im Standplatz vor dem Balkonfenster waren die ersten Pflanzen bereits nach einer Woche sichtbar. Da ich nicht sicher war, wie hoch die Keimrate sein würde habe ich drei Samen pro Dose eingesetzt. Nachher hatte ich zw&oulm;lf Tomatenpflanzen, von denen ich aus Platzgründen aber nur vier in die Dutch Buckets einsetzen konnte. Den Rest habe ich verschenkt.
Die Sorten sind Sunviva und Yellow Submarine, gelbe Samenfeste Cocktailtomaten mit einer Open Source Lizenz.
Da die Dosen schnell zu klein werden kamen die Pflanzen recht früh in kleine Töpfe und Zylinder aus Karton. Den Karton konnte ich später beim Einpflanzen einfach ablösen. Die Erde wurde durchgehend von unten Nass gehalten. Als die ersten richtigen Blätter zu sehen waren bekamen die Pflanzen erstmalig Nährstoffe beigemischt. Hier habe ich Nova Max Grow benutzt. Sobald sich die Blüten und dann die Früchte bilden kommt auch Nova Max Bloom zum Einsatz. Nova Max Grow nutze ich bisher auch für das NFT System. Somit muss ich erstmal nicht zu viele verschiedene Dünger kaufen.
Zuerst wollte ich den günstigen Weg gehen und Farbeimer zu Dutch Buckets umbauen. Leider fand ich im Baumarkt keine in der perfekten Größe, sodass ich schlussendlich doch die 11L Bato / Dutch Bucket Behälter für 8€ das Stück gekauft habe.
Das Prinzip hierbei ist, das sich unten ca. 5 cm hoch Flüssigkeit anstauen kann. Alles darüber fließt durch den Auslass ab. Durch die U-Form des Auslassstücks wird ein verstopfen durch Substrat oder Wurzeln minimiert.
Die Tomatenpflanzen werden in Kokosfasern angezogen. Im Behälter selbst werden sie aber in Blähton gesetzt.
Blähton hat den Vorteil, dass er sehr gut Sauerstoff an die Wurzeln lässt und mehrmals wiederverwendet werden kann.
Bevor ich die Tonkugeln aber benutzen konnte musste ich sie Waschen. Dazu in einer großen Kiste mit Wasser durchmischt, sodass sich Staub und kleinere Splitter ablösen. Die Kugeln werden dann herausgesiebt. Das war etwas aufwändig, allerdings hätte es später Filter verstopft oder sich am Reservoirboden abgesetzt.
Auch beim Dutch Bucket System habe ich das Podest / Gestell in FreeCAD gezeichnet und aus Palettenholz gebaut. Zwischen Balkontür und Geländer sind an der Hauswand nur etwa 1,3m Platz. Damit die Tomaten nicht zu dicht aneinander Stehen konnte ich maximal vier Pflanzen dort unterbringen.
Da sich oben kein weiterer Balkon als Dach befindet ist es empfehlenswert Tomaten an einer Hauswand vor Regen geschützt zu platzieren.
Durch eine Pumpe wird die Nährstofflösung aus einem Reservoir an die Wurzeln der Pflanze gebracht. Dort läuft es an den Wurzeln in den Eimer herunter. Ist ein Füllstand von etwa 5cm erreicht läuft das überschüssige Wasser auf der Hinterseite ab und zurück in das Reservoir. Als Reservoir nutze ich hier eine 40cm x 60cm Eurobox. Diese lässt sich bis 20cm hoch füllen und hat damit ein Volumen von knapp 50 Litern.
Da die Dutch Buckets schwarz sind würden sie sich in direktem Sonnenlicht stark aufheizen und unnötig viel Wasser verdunsten lassen. Um dem etwas vorzubeugen und auch aus optischen Gründen kommt vorne und links eine Blende davor.
Als Rücklauf dient ein HT Rohr DN 50 mit einem leichten Gefälle.
Am Ende geht dies in ein 32mm Elektroinstallationsrohr über und mit einem 90° Bogen zurück ins Reservoir.
Im Reservoir befinden sich die üblichen Sensoren: Wasserfluss, Wasserstand, Temperatur und EC.
Bei der Pumpe habe ich mich für eine Sicce Syncra Silent 1.0 entschieden mit 950 L/h. Von dort wird das Wasser durch den Flusssensor gepumpt und aus dem Reservoir zu einem Wasserfilter. Mit dem Filter möchte ich verhindern, dass mittelgroße Partikel die dünneren Schläche zu den Pflanzen zusetzen. Ob ein einzelner Schlauch verstopft ist kann im Betrieb nur durch Herausziehen aus dem Topf erkannt werden.
Nach dem Wasserfilter verläft der Schlauch hinter der obersten Blende entlang. Bei jedem Eimer ist ein Abzweigst&uum;ck von 1x 13mm Schlauch auf 1x 13mm und 2x 4mm angebracht. Zwei 4mm Bewässerungsschläuche laufen zu je einem Bucket. Sollte einer doch mal verstopft sein gibt es noch einen zweiten. Bei nur vier Pflanzen wollte ich kein Risiko eingehen.
Am Ende ist ein Kugelhahn angebracht. Damit kann das Reservoir etwas geleert werden, sollte es mal zu schwer sein.
Alle zwei Stunden schaltet sich die Pumpe für 5 Minuten an. Zum Sommer hin werde ich das Interval vermutlich erhöhen. Im Internet lese ich verschiedene Meinungen dazu, wie oft die Pumpe laufen soll oder ob sie überhaupt ausgeschaltet werden muss. Da die Pumpe auf dem Balkon doch hörbar ist, verstärkt durch die Eurokiste als Resonanzkörper, lasse ich sie nicht durchgängig eingeschaltet. Das Schalten passiert durch ein Shelly 1 Mini.
Oberhalb der Pflanzen ist eine Markise angebracht. Hier habe ich einen Winkel aus Holzlatten eingesteckt, an dem selbstgebogene Tomatenhaken hängen. Sollten die Tomaten die 2,5m höhe doch mal erreichen kann ich sie damit etwas ablassen, ohne gleich die Spitze abzukappen. Ein Scan der Biegevorlage gibt es hier: 20240518_Tomatenhaken.PDF
Der Bau von dem Podest hat insgesamt etwas zu lange gedauert, sodass die Pflanzen schon sehr fortgeschritten waren.
Zuerst wurde der Behälter mit Tonkugeln soweit gefüllt, dass die Tomate mit ihrem Kokosfaser-Tonkugel-Wurzelhaufen darauf gestellt werden konnte. Dann aussendrum und obendrüber mehr Tonkugeln.
Damit die Schläuche nicht aus den Eimern herausfallen sind kurze Holzstäbe mit 3D gedruckten halten in die Eimer eingesetzt. Daran ist der Schlauch mittels Rosendraht angebunden und sitzt etwa 1-2cm tief in den Tonkugeln.
Hier ein Foto von Anfang Juni. Da die Pflanzen auf dem Balkon stehen ist es für mich nicht besonders aufwändig die Tomaten auszugeizen und weiter um das Seil herumzudrehen.
Ende Juni: Die Pflanzen wachsen fast beim Zusehen. Die ersten Früchte werden auch schon reif. Zur Erinnerung, Sunviva und Yellow Submarine sind gelbe Cocktailtomaten.
Die linke Yellow Submarine fing an einen Geiztrieb zu entwickeln, der nicht vom Haupttrieb zu unterscheiden war. Ich habe mich entschieden diese Pflanze zweitriebig wachsen zu lassen.
Im August hatten alle Pflanzen ihre maximale Höhe von etwa 2,5m erreicht. Das ablassen der Seile mit den Tomatenhaken klappte leider nicht wie erhofft, da die Stämme sich nach vorne oder zur Wand hin biegen. Nach links über der Tür ist leider auch kein Platz mehr frei. Also den Haupttrieb oben abgeschnitten. Manche der Geiztriebe lasse ich ab jetzt auch wachsen, wenn sie genug Platz haben. Alles andere wird alle paar Tage wie gehabt entfernt. Nicht ganz so gut auf dem Foto zu erkennen ist, dass die rechte Tomate über das Geländer runterwächst. Ich habe sie dort etwas angebunden damit sie den Freiraum auch ausfüllen darf, allerdings ist das Ausgeizen deutlich schwieriger. Die zweitriebige Pfalnze links ist mittlerweile auch nach oben angebunden.
Seitdem die ersten Tomaten ende Juni reif wurden gehe ich jeden Tag welche zum Frühstück ernten. Aktuell (Mitte August) kommen wir aber mit dem Naschen nicht hinterher und sie landen auch schonmal als ganzes Kilogramm im Salat.
Geplant hatte ich das zeitgesteuerte Wässern alle zwei Stunden für fünf Minuten als Minimum fest im Shelly einprogrammiert zu haben und per Nodered, je nach Außentemperatur, weitere Wässerungen anzustoßen. Zu keinem Zeitpunkt sahen die Blätter jedoch danach aus, als ob ihnen Wasser fehlte.
Die aufgerollten Blätter im unteren Teil sind bereits so seit sie eingepflanzt wurden. Woran das genau lag habe ich nicht herausfinden können. Dem Wachstum und Fruchtproduktion schadet es aber anscheinend in keinster Weise.
Auch hier habe ich aber wieder einmal die benötige Reservoirgröße unterschätzt. Im Schnitt ist der 45L Behälter nach 2-4 Tagen leer. Besser ist es jedoch nicht zu spät nachzufüllen, da der EC Wert von 2000 µS/cm auf 2800 µS/cm und damit die Nährstoffkonzentration bei sinkendem Wasserstand steigt.
2025
In 2025 bin ich von NovaMax Dünger auf Masterblend umgestiegen. Masterblend ist hauptsächlich in der NPK 4-18-38 Variante erhältlich. Ich habe zwar von einem “Tomato Formula” gelesen mit anderen Nährstoffverhältnissen, das war aber nirgends zu bekommen und Informationen zu Erfahrungsberichten gab es auch so gut wie keine. Es scheinen die meisten diese Variante zu nutzen und im späteren Verlauf bei Fruchtbildung die Dosis zu erhöhen. Somit benötige ich nicht mehr zwei separate Dünger wie NovaMax Grow und NovaMax Bloom, sondern kann Masterblend für alles benutzen.
Der Anleitung folgend habe ich Part A und Part B in 1L Flaschen angemischt. Zusammengefasst:
- Part A: 106g Masterblend in etwa 800 mL Leitungswasser auflösen, dann 53g Magnesium Sulphate hinzugeben und auf 1L auffüllen.
- Part B: 106g Calcium Nitrate in etwa 800 mL Leitungswasser auflösen und anschließend auf 1L auffüllen.
Ich fand es einfacher die Pulver/Granulate in einem Eimer aufzulösen. So ist das Rühren einfacher und es ist besser zu erkennen, ob sich alles aufgelöst hat. Ebenfalls kleben die trockenen Kügelchen schnell an der kleinen Flaschenöffnung fest, wenn sie leicht feucht ist.
Dieses Jahr habe ich mich für die Sorten Sunviva und Vivaroma entschieden. Sunviva (die kleine gelbe Cocktailtomate) fand ich letztes Jahr schon hervorragend. Vivaroma steht ebenfalls unter einer Open Source Lizenz, was für mich nicht besonders relevant ist, ich aber trotzdem unterstützenswert finde. Sie ist nur minimal größer als die Sunviva, dafür bringt sie mit ihrer roten Farbe etwas Abwechselung auf den Balkon.
Einen Großteil des Blähtons habe ich vom Jahr davor wiederverwendet. Nur das, was dort zu fest mit den Wurzeln verwachsen ist war mir den Aufwand nicht wert. Kurz durchgewaschen um die letzten Wurzelreste loszuwerden und die Dutch Buckets konnten wieder aufgefüllt werden.
Nachdem die angezogenen Pflanzen eingepflanzt waren konnte wieder Wasser ins Reservoir. Je 10L Wasser kamen initial grob 50 mL Masterblend Part A und 50 mL Part B dazu. Danach habe ich mich an am EC Wert orientiert und entsprechend Nachgedüngt, um auf 2000 µS/cm zu kommen. Statt des teuereren Terra Aquatics pH- habe ich mir eine Flasche Advanced Hydroponics pH Down Blüte nachgekauft. Dieser enthält hauptsächlich Phosphorsäure, wodurch die 1L Flasche sehr lange halten wird. Allerdings ist das Handhaben einer unverdünnten Säure mit deutlich mehr Vorsicht zu genießen. Daher mische ich mir regelmäßig eine 1:10 Lösung an, die somit auch deutlich einfacher zu dosieren ist. Es genügen wenige Milliliter.
Dann heißt es Abwarten und zuschauen. Der Balkon zeigt immernoch nach Süden, dementsprechend schnell ist das Wachstum. Die unteren Blätter haben sich erneut eingerollt, was auf eine zu hohe Sonneneinstrahlung hindeuten könnte. Die Pflanzen regeln so die der Sonne ausgesetzte Blattfläche. Ohne ein Netz vor die Pflanzen zu hängen, was bei einem Sturm mehr Probleme macht als Vorteile bringt, oder den Standort zu wechseln habe ich dafür jedoch keine Lösung. Wie ich festgestellt habe ist das nicht nötig, die Fruchtproduktion ist so hoch, dass wir mit dem Ernten und verbrauchen nur schwer hinter her kommen. Und wenn man dann noch in den Sommermonaten für ein paar Tage in den Urlaub fährt ist das Wettessen eh verloren.
Entsprechend viel Wasser wird in dem Zeitraum benötigt. Das für vier Pflanzen doch recht kleine 30L Reservoir ist nach spätestens 3 Tagen leer und die Nährstoffkonzentration steigt mit dem schneller verbrauchten Wasser auch an. Als Lösung habe ich die größte Eurokiste die ich finden konnte als 200 L Reservoir unter das NFT Tischsystem gestellt. Von dort wird mit einer Pumpe und Magnetventilen das Dutch Bucket Reservoir bei Bedarf nachgefüllt. Auch das 60 L Fass vom NFT System und die Balkonpflanzen bekommen so automatisch ihr Wasser. Um das Reservoir aufzufüllen lege ich einen Gartenschlauch von der Badewanne durch die Wohnung in das Reservoir, um es aufzufüllen. Der Aufwand lohnt sich, wenn es nicht alle paar Tage sondern nur alle 2-4 Wochen passieren muss. So müssen Freunde oder Nachbarn nur noch zum Ernten kommen.. Und nachsehen, ob etwas kaputt gegangen ist *duck*.





































