No English translation available

Hydroponik NFT Tischsystem

März 2024

Inhaltsverzeichnis

Nachdem der Anbau von Basilikum und Salaten im NFT System auf einem eher Schattigen Ostbalkon so gut funktionierte, wollte ich im darauffolgenden 2024 weiter hydroponisch Anbauen. Mit dem Umzug in eine Wohnung mit Südbalkon war der Standort für ein solches System deutlich besser. Auch wollte ich schon immer gerne Tomaten selber ernten. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass ein Dutch Bucket System für Tomaten sehr gut geeignet sei. Dazu mehr in der separaten Dokumentation Dutch Bucket

Die Voranzucht begann im Feburar. Diesmal in Ikea Samla Kisten mit Einsätzen für die gedruckten Netcups.

Diese standen drinnen vor dem Balkonfenster. Leider war das Sonnenlicht zu dieser Zeit noch nicht ausreichend, sodass die Pflanzen anfingen zu vergeilen. Sobald es die Temperaturen zuließen, kamen die Anzuchtkisten nach Draußen.

Auf dem vorherigen Balkon bat sich ein vertikales NFT System sehr gut an. Der neue Balkon ist jedoch nach oben hin frei. Daher entschied ich mich die vier 1,3m langen NFT Rinnen aus DN 75 HT Rohr in einem Tischsystem wiederzuverwenden.

Gerne wollte ich die hinteren Rinnen für eine einfachere Erreichbarkeit etwas höher anbringen. Damit ist es auch möglich nur einen Zufluss für die Nährstofflösung einzubauen. Das Wasser fließt so nach und nach durch die Rohre und am Ende zurück ins Reservoir.

Das Reservoir ist diesmal ein 60L Fass, welches unter dem NFT Tisch Platz findet. Die 15L Eurokiste aus dem letzten Jahr war in den heißen Sommermonaten definitiv zu klein ausgelegt.

Als Material habe ich hauptsächlich Latten aus alten Einwegpaletten verwendet. Aus dem CAD Modell konnte ich eine Schnittvorlage für die Seitenteile erzeugen, die als Auflage für die Rohre dienen sollen. Um dem Wetter etwas besser standzuhalten wurde das Gerüst anschließend geölt.

Die Modellierung am Computer war sehr hilfreich, um ein 3% Gefälle herzustellen. Das Wasser fließt im im Zickzack von hinten links nach vorne links. Von dort wird es über ein paar weitere Rohrstücke zum Reservoir geführt.

Oben im Fass werden an einem 20x12mm PVC U-Profil die verschiedenen Sensoren befestigt. Als Pumpe kommt die EDEN 128 vom letzten Jahr zum Einsatz. Mit allen Schläuchen und Steckverbindungen komme ich nachher auf 1,5L/min - 2,0L/min.

Damit das zurückfließende Wasser nicht die Sensoren anspritzt wird es an einer Kunststoffkette entlang geführt.

Um das Fasser unter dem Tischgestell herauszuziehen muss das weiße Rohrstück am Rückfluss entfernt werden. Damit dies einfach und schnell funktioniert wird es in einen Einsatz gesteckt und mit einer 90° Drehung arretiert.

Von der Pumpe im Reservoir führt der Schlauch zum Wasserflusssensor. Von dort geht der Schlauch weiter zu einem Hahn mit zwei Kugelventilen. An den einen ist der Schlauch zum NFT System mit einem Gardena Anschluss angesteckt. Der andere Auslass dient dazu Wasser zu entnehmen, um beispielsweise den PH Wert zu messen aber auch um das Reservoir zum großen Teil zu leeren.

Die Pumpe läuft in diesem System ununterbrochen, da sich bestenfalls kein Wasser im System aufstaut. So ganz klappt das auch diesmal nicht, da sobald eine Pflanze etwas größer wird die Wurzeln den Wasserfluss genug behindern, um den Wasserstand mehr als die Hälfte der Rohrhöhe anzuheben.

Im Besonderen habe ich die Kapuzinerkresse (Hinten rechts) unterschätzt, die mittlerweile nicht nur den Balkon herunterrankt, sondern auch mit ihren Wurzeln um die nächste Kurve und auch Stromaufwärts gewachsen ist.

Mitte Juli musste die Kresse dann doch raus. Die Pflanze rankte bereits an zwei Seiten etwa 3 Meter weit herunter. Ihre Wurzeln konnten durch Abnehmen der Kurvenstücke herausgezogen werden. Kein wunder, dass da kein Wasser mehr durchkam.

Die Blätter konnte ich diesmal nicht alle zu Pesto verarbeiten. Die Menge an Nüssen und Öl waäre einfach zu teuer geworden. Allerdings habe ich die Blüten gesammelt und getrocknet sowie die grünen Knospen als Kapern eingelegt.

Dieses NFT System mit 75er Rohren eignet sich am Besten für grüne Pflanzen die komplett abgeerntet werden können. Nachdem der Basilikum so großg geworden ist wie im Bild, fangen auch die Wurzeln langsam an zu viel zu werden. Ab dann besser raus und neu. Bestenfalls vorher noch einen Steckling ziehen.

Was super funktioniert ist Salat. Zwischendurch mal ein, zwei Blatt aufs Brot und dann am Ende einmal das ganze Ding in nen Salat.

Mit den 32 Plätzen probiere ich hier und da mal andere Pflanzen aus: Sommerportulak, Blattsenf, verschiedene Salatsorten, Rucola. Ohne die Kapuzinerkresse im Endstadium ist der 60L Eimer als Reservoir auch im Sommer ausreichend. Nachgefüllt wird etwa einmal in der Woche.


HT Abzweig NFT

Das kleine Tisch-NFT mit 75mm Rohrdurchmesser ist für Pflanzen, die länger bleiben sollen, etwas zu klein. Um den Wurzeln mehr Platz zu geben und da noch etwas Platz am Balkongeländer war: hier ein NFT aus HT Rohr Abzweigen.

Die Rohre sind diesmal DN 110. Die T-Abzweige werden direkt hintereinander gesteckt mit ihrer seitlichen Öffnung nach oben.

Als letztes (im Foto vorne) eine Muffe und dann ein Rohr mit Wartungsöffnung, sollten die Wurzeln doch mal den Ausweg finden.

Der Einlass wird ein 12mm PVC Rohr, welches durch eine PG Verschraubung gesteckt wird.

Den Auslass bildet eine Durchführung mit Gartenschlauchkupplung auf 13mm Gartenschlauch.

Grau sieht nicht so schön aus und heizt sich durch die Sonne etwas mehr auf, daher wird es ebenfalls Weiß angesprüht.

Mittels Rohrschellen und Bügeln aus Aluprofil wird die Konstruktion an vier Stellen am Balkongeländer befestigt. Die Schrauben zu den Schellen sind so bemessen, bzw unterfüttert, dass das Rohr ein leichtes Gefällte von etwa 3% hat.

Wasser wird vom bestehenden NFT Reservoir abgezweigt. Die Wassermenge stelle ich zunächst durch das Kugelventil ein, sodass ein kontinuierlicher Wasserstrahl im Rohr entsteht.

Wenn die Dichtung aus den Rohren oben entfernt wird ist dort Platz, um einen gelaserten Schaumstoffeinsatz einzusetzen.

Download DXF: 20240708_DN110_NFT_Plant_Insert.dxf

Sobald eine Pflanze ausreichend lange Wurzeln hat kann sie in das System. Lila Basilikum (African Blue) machte mir letztes Jahr so Probleme im kleinen NFT, mal sehen wie es diesmal klappt. Einen Steckling habe ich von dem großen Kressebusch gerettet und gebe ihm hier eine neue Chance.

Der Basilikum wächst wieder enorm schnell und benötigt etwas Stützstruktur. Insgesamt macht es sich als Balkonkastenersatz ganz gut.


2026

Beim Aufbau des Systems im April bermerkte ich, dass ein Schlauch aufgrund von Ablagerungen im Inneren sehr zugesetzt war. Meine Vermutung ist, dass sich über das letzte Jahr Substrat und Pflanzenmaterial im Reservoir gesammelt hat und so durch das System zirkulierte, bis es sich nach und nach an Engstellen ansammelte.

Beim Dutch Bucket System habe ich von Anfang an einen Wasserfilter eingebaut. Der gleiche Filter kam jetzt auch direkt hinter die Pumpe im NFT System.

Zusätzlich bekam das Reservoir einen einfachen Deckel. Das Fass steht direkt unter den Pflanzen und so passierte es nicht selten, das Material hinein fiel.

Anzucht

Meine Pflanzen ziehe ich meist im Haus am Südfenster vor. Während der Saison muss ich nur dafür sorgen, dass genügend Nachschub, im Besonderen bei den Salaten, vorhanden ist. Eine kleine 24 x 6 x 17 cm mit Kokossubstrat gefüllte Anzuchtschale reicht bisher vollkommen aus. Sobald die Pflanzen gekeimt sind und die ersten echten Blätter sich entwickelt haben vereinzel ich mit zwei halben Rohrstücken und entnehme sie samt Substrat. Möglichst ohne die Wurzeln zu beschädigen. Den Wurzelsubstrathaufen setze ich vorsichtig in einen Netztop ein. 100% Kokossubstrat zu verwenden war nicht immer die beste Idee. Manchmal wird der untere Teil im NFT Rohr ausgewaschen. Wenn die Wurzeln noch zu lange brauchen aus dem Topf herauszuwachsen können sie im meist sehr nassen Substrat abfaulen. Aus diesen beiden Gründen mische ich entweder Tonkugeln oder Perlit (Im Verhältnis 70/30 Kokosfasern zu Perlit) mit bei.

Selten klappt es die Wurzeln jetzt schon durch den Netztop zu fädeln. Damit sie noch etwas Zeit haben teste ich zurzeit, ob es hilft die Netztöpfe auf etwas Substrat in eine Schale zu stellen. So können sie die 1:1 verdünnte Nährstofflösung von selbst aufsaugen. Die Wurzeln haben so einen Grund weiter nach unten zu wachsen.

Sind die Wurzeln lang genug, dass sie eingesetzt im NFT Rohr das vorbeifließende Wasser erreichen, können sie endlich ins System umziehen.

Teilweise hatte ich auch Erfolg damit, eine Baumwollschnur aus dem Netztopf herausbaumeln zu lassen. So saugt sich das Substrat im Netztopf mit Flüssigkeit auf, noch bevor es die Wurzeln übernehmen. Manchmal hat sich um diese Schnur jedoch etwas schleimiges gebildet. Auch wenn es den Pflanzen nicht geschadet hat, teste ich hier noch weiter.

Sobald ein krauser Haufen Wurzeln zu sehen ist, die hoffentlich Weiß strahlen, hat die Pflanze das schwierigste überstanden.

Durch den Schaumstoffeinsatz von Hoocho kam ich auf die Idee diese modifizierte Version für meine Lochdurchmesser aus Puzzlematten zu lasern. Neben dem großen Loch in der Mitte sind dahiner zwei weitere kleinere zu finden, die sich besser für junge Pflanzen eignen.

Die Wurzeln müssen dazu allerdings vom Substrat befreit werden und lang genug sein, den Nährstofffilm zu erreichen. Gut funktioniert das nur bei Pflanzen mit einem dicken Stamm. Der Pak Choi im Bild ist ein ausgezeichnetes Beispiel. Der Verbrauch an Substrat geht mit dieser Methode gegen Null.

Viel öfter verwende ich diese Einsätze allerdings, um unbenutzte Löcher zu verschließen. Damit ist fällt weniger Licht ins Rohr und es bilden sich keine Algen im Wasser.

Diese Fotos zeigen, wie es zu Anfang (April) eher leer aussieht. Im Mai hat sich besonders der Pak Choi und der Spinat stark ausgebreitet. Ab Juni war auch der restliche Salat gut gewachsen. Alles wird ab hier regelmäßig abgeerntet.